Tag 16 – 26.08.2015

Leuchtfeuer 16

Als wir uns gerade zur Morgenrunde aufgestellt haben, tritt Sultan Julien in unseren Kreis, um sein morgendliches Bad in seinem riesigen Goldschatz zu nehmen. Doch wie groß ist sein Erschrecken, als er seine Badewanne leer vorfindet. Wo ist sein Schatz? Die wütend herbeigerufenen Palastwachen Morten und Robin beschuldigen sich gegenseitig, geschlafen zu haben. Klar, dass Sultan sie verantwortlich macht und ihnen ein Ultimatum für die Wiederbeschaffung stellt. Die beiden sind verzweifelt und verabreden, sich Hilfe zu suchen. Dann war der Spuk auch schon zu Ende. Haben wir geträumt? Ein Märchen aus 1001 Nacht? Oder war das gerade die Vorankündigung des Festivals?

Anni und Franzi machen noch einen Zappeltanz (Hoki Toki) mit uns, dann können wir endlich frühstücken. Anschließend öffnet die Hofbank, denn viele Gruppen wollen nach Nes. Heute ist dort nämlich Markttag.

Gruppe 9 macht ihren zweiten BVD. Bewaffnet mit Einweghandschuhen und diversen Putzutensilien geht es an die Arbeit. Ein paar Erklärungen sind natürlich noch nötig, aber dann läuft es wie geschmiert. Ich habe jedenfalls keine Klagen gehört.

Das Mittagessen kündigt sich frühzeitig dadurch an, das zwei Holzkohlegrills auf dem Hof stehen und von Martin, Schenky, Daniel und Felix befeuert werden. Kurzfristig wird die Raucherecke zur Räucherecke. Der Nudelsalat ist schon fertig. Als wir gerade Platz genommen haben, tauchen die beiden Palastwachen wieder auf und besprechen ihr Problem mit dem Sultan. Dann erscheint Aladin, Typ jugendlicher Held, Schwiegersohn des Sultans, und verspricht den Wachen, ihnen in ihrer Not zu helfen. Es gelingt ihm Dank seines Charmes in einer unglaublichen Leichtigkeit, alle Lagergruppen zur Mithilfe zu bewegen. Er ist gut organisiert. Jeder Gruppenleiter bekommt einen Zettel mit einer Gruppenaufgabe, die bis Freitag zu lösen ist. Dann sollte mit vereinten Kräften der Schatz wiedergefunden werden können. Am Nachmittag beginnen die Gruppen im Gruppenprogramm mit der Ideensammlung für ihren Festivalbeitrag.

Auf dem Hof werden wir stundenlang (!) von einer alten Henne aus der Nachbarschaft zugetextet. Was für ein Redeschwall. Sie gackert und gackert und hört nicht mehr auf. Was will sie? Haben die Hähne sie geschickt? Was ist ihr Problem? Geht es bei unserem Hühner­problem am Ende gar nicht um Ruhestörung? Um Gottes willen, wer stellt diese gackernde Henne endlich ab? Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr. Und ihres schon mal gar nicht. Wir brauchen einen Dolmetscher: Huhn holländisch – Mensch deutsch. Foppe mal fragen.

Der ist nach einem längeren Krankenhausaufenthalt übrigens wieder zuhause. Braucht noch etwas Schonung, läuft aber schon wieder durch die Gegend.

Am Abend bricht ein gewaltiges Unwetter über uns herein. Blitz und Donner bei einem Regen, der sich anhört, als würden Meereswellen über die Insel gespült. Mit einem kleinen, zitternden Grüppchen beobachte ich aus dem hintersten Winkel der Raucherecke heraus die hellen Blitze über Nes, die für Sekundenbruchteile den Hof in ein unwirklichen Licht tauchen. Die Abendrunde wird kurzfristig nach Geschlechtern getrennt in die Schlafsäle verlegt. Die Geschichte vom Adler im Hühnerstall erinnert uns daran, unserer eigentlichen Berufung zu folgen. Im Jungenschlafsaal weist uns Flo auf die Möglichkeiten hin, die unsere Freizeit dazu bietet. Mit „Imagine“ von John Lennon klingt der Tag aus. Wetter muss wieder besser werden. Gute Nacht – Matthias